ist eine Gott-ähnliche Nemesis, die ihre Opfer mit Vorliebe aus großer Höhe auf spitze Dornen plumpsen lässt. Das
ist zudem noch ein possierlicher kleiner Vogel, der mit dem Über-Bösen aus Simmons' Roman ebendieses sadistische Hobby gemein hat. Hätte man den Namen konsequent ins Deutsche übersetzt, müsste der Antagonist aus den Hyperion-Gesängen
heißen. Gut, dass man diese Reminiszenz an
vermieden hat, denn eigentlich hört sich "Shrike" in deutschen Ohren ja auch perfekt wie das spitze, stählerne Mensch-Maschine Wesen an, das es darstellen soll.
Religion spielt eine große Rolle in Simmons' Werk. Die aufstrebende Weltreligion, die Kirche der letzten Buße, feiert das Shrike als Vorboten des Weltuntergangs. Sieben Pilger sollen die entfesselte Höllenbrut wieder in ihre Schranken verweisen: ein katholischer Priester ist genauso Mitglied unserer Party wie ein jüdischer Gelehrter, ein mysteriöser Tempelritter und ein hypersexueller Agnostiker. Die Erde ist schon lange zerstört, aber glücklicherweise gibt es gleich dutzende Planeten im Universum, die sich die Menschheit in der Diaspora urbar machen konnte. Verbunden sind sie über eine Art WLAN des Beamens. Aber wehe, die gigantische Relais-Station im Orbit wird zerstört: dann sind die Welten nur noch über langsame Lichtgeschwindigkeit erreichbar – mit allen Folgen, die das Zeitparadoxon mit sich bringt.
Erfrischend ist, dass sich Simmons bei der Beschreibung der vielfältigen Orte und Szenerien nicht nur aus den 08/15-Klischees der Science-Fiction bedient. Gotische Steinfassaden und historische Altstädte mit Fachwerkhäusern kommen ebenso vor wie abnorm hohe Wolkenkratzer auf Regierungsplaneten im Stile
Coruscants. Der Leser bestreitet einen Gewaltmarsch durch vollkommen gegensätzliche architektonische Stile und damit verbundenen Stimmungen, ganz wie ein Spaziergang in einer typischen Innenstadt im Nachkriegsdeutschland.
Die Handlung baut sich um die autobiografischen Geschichten der sieben Pilger auf, wobei das Mysterium des Shrike, sowie technische und politische Hintergründe des Simmons'schen Universums nach und nach entrollt werden. Simmons' Stil ist sehr atmosphärisch, Handlungsorte werden bildgewaltig und virtuos geschildert. Die Technologien sind glaubhaft beschrieben, ihr Einsatz und ihre Bedeutung im täglichen Leben werden pointiert, aber nicht unrealistisch, auf die Spitze getrieben. Der Höhepunkt der "Beam"-Technologie besteht in Häusern, deren Zimmer sich auf jeweils verschiedenen Planeten befinden und die durch Transmitter-Türen betreten werden müssen. Alles ist möglich, wenn man nur das nötige Geld parat hat – ganz wie heute eigentlich.
Simmons spickt sein Buch mit zahlreichen Reminiszenzen auf die Literatur-, Architektur- und Philosophiegeschichte. Zwar ist das Buch auch ohne eine profunde humanistische Bildung lesbar, doch man merkt allzu deutlich, dass in dem studierten Pädagogen
Simmons oft der Oberlehrer durchbricht. Ab einem gewissen Punkt kommen einem die Anspielungen auf Kunst- und Kulturgeschichte des Abendlandes mehr wie angeberischer Klugschiss vor, als wie zielführende Beiträge zu Handlung und Hintergrund.
Nichtsdestotrotz sind Die Hyperion-Gesänge (eine gemeinsame Edition von "Hyperion" und "Der Sturz von Hyperion") ein lesenswertes Buch mit guter Science-Fiction etwas abseits des Althergebrachten.
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Hyperion und Der Sturz von Hyperion auf Deutsch |
Hyperion auf Englisch |
Der Sturz von Hyperion auf Englisch |
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