
Schon 1969 entstand dieser Roman des russischen
Intellektuellengespanns. Meisterhaft verarbeiteten Arkadi und Boris Strugatzki (auch: Strugazki) den einzigen Rohstoff, den es im Warschauer Pakt im Überfluss gab: Fantasie. Der freundliche Übermensch mit dem
deutschem Nachnamen, Maxim Kammerer, ist Angehöriger einer technisch und moralisch überlegenen Zivilisation. Da sich dieser Twentysomething von seinen Eltern jedoch noch nicht zu einer anständigen Karriere hat überreden lassen können, durchstreift er im Dienste einer staatlichen Organisation das Weltall, um unbekannte Planeten zu kartographieren. Sein Raumschiff stürzt auf einer erdähnlichen, jedoch durch und durch korrumpierten Welt ab.
Radioaktiv verseuchte Flüsse, mit Landminen vergangener Kriege durchsetzte Wälder, dazu ein totalitäres Regime, dass seine durchmilitarisierte Bevölkerung mit Lügen und Gewalt zusammenhält. Das alles verbunden mit einer depressiven Grundstimmung, die den ganzen Roman durchzieht. In der Tat, man merkt,
wann und wo diese Geschichte entstand.
Die Strugatzki-Brüder haben einen ganz eigenen Stil, die Erzählung ist teils märchenhaft (aber glücklicherweise nicht ganz so abgedreht wie beim Kameraden Stanisław Lem), gleichzeitig aber logisch aufgebaut mit einem durchstrukturierten Plot, der Asimov alle Ehre machen würde. Die technischen Details sind gerade realistisch genug, um nicht vollkommen unglaubwürdig zu wirken, besitzen aber alle den entscheidenden Schuss Metaphysik, was verhindert, dass die Erfindungen allzu hölzern wirken. Okay, die
Pillen, die vor tödlicher Radioaktivität schützen, werde ich den beiden nicht verzeihen – das wirkt wie ein nachträglich eingefügter Kunstgriff, der eine kleine Plotungenauigkeit ausbügeln sollte.
Maxim, mit
übermenschlichen Fähigkeiten und übermenschlicher Moral ausgestattet, wandelt durch den Roman mit einer schlafwandlerischen Unbekümmertheit wie jemand, der eine Figur im Computerspiel steuert – immer im Glauben, man könne den letzten
Spielstand nochmal laden, wenn es nicht ganz so gut läuft. Bald jedoch merkt er, dass das Leben für seine lieb gewonnen Normalbürger auf dem Unglücksplaneten mehr tödlicher Ernst als Spiel ist. Bald beschließt er:
das System muss gestürzt werden. Nur: an welchen Hebeln soll er dafür ansetzen?
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